Draga- braucht katzenerfahrene menschen und ganz viel liebe

Draga, weiblich, kastriert,

geimpft, geb. ca. Ende 2018

 

Aufenthaltsort: Sofia, Bulgarien 

Haltung: Vermittlung zu ruhigen Katzen oder als Einzelprinzessin, 

reine Wohnungshaltung (ohne Freigang)

FIV-Test: negativ

FeLV-Test: negativ

Handicaps: keine

Verträglich mit 

- Kindern: nein

- Katzen: vermutlich 

- Hunden: ja

- Tierschützerin: Iva

 

18. Februar 2021

Heute schreibt uns Iva eine lange Geschichte- die Geschichte über eine hübsche Katze mit zwei Gesichtern.

Iva schreibt:

Hier kommt nun eine Vorstellung, die bestimmt nicht kurz sein wird, jedoch weiß ich nicht, wie ich diese kurz fassen sollte....

 

Kennt ihr das Gefühl, wo ihr ein Bild auf FB seht, ein Posting, das ihr zufällig (oder nicht?) beim durchscrollen lest und diese euch dann nicht mehr aus dem Kopf gehen können?? Nun, so erging es mir am 20.12.2020 früh morgens.

Es war ein Sonntag und ich trank meinen Kaffee bevor der Familientrubel losging.

Ein Posting in einer Gruppe für verlorene/gefundene Tiere mit einem Foto einer total verschreckten Katze hinter einer Mülltonne.

Sie quetschte sich förmlich in den Schlamm vor Angst und schaute mit weit aufgerissenen Augen hoch zum Fotografen.

Das Posting der Frau lautete - Diese Katze versteckt sich zwischen unserer Mauer und unserer Mülltonne auf der Straße. Sie ist sehr aggressiv und scheint verletzt zu sein.

Ich war mir sicher, dass die Katze verloren war und hoffte, dass man sie bald findet, denn das Posting war auch in der Gruppe des Wohnbezirks geteilt.

Der Sonntagstubel begann kurz darauf und alle Aufgaben, die man so hat mit zwei Kindern am Wochenende.

Aber diese verschreckten Augen gingen mir nicht aus dem Kopf... Verletzt... Es war sehr kalt... Aber ich hatte soviel zu tun und hoffte so sehr, dass diese Schönheit schnell jemanden als Hilfe findet... Eine Stunde später - nichts neues... Zwei, drei, vier Stunden später .... nichts... 

Ich schrieb der Frau und fragte nach einer genauen Anschrift und kurz darauf saß ich mit meinen Kids im Auto, eine Transportbox, eine Decke und Futter auf dem Beifahrersitzt.

15 min später war ich da und die Katze war genau an der gleichen Stelle, mit genau dem gleichen Blick.

Sie fauchte und grummelte mich so an, dass ich sofort wusste, sie wird es mir nicht leicht machen.

Ich stellte die Box neben der Mülltonne mit geöffneter Tür und die Katze erschnüffelte wohl den Katzengeruch der Katzendecke darin.

Diesen Bruchteile der Sekunde, in der sie etwas ihren Kopf Richtung Box streckte um zu schnüffeln, nutzte ich und packte sich an der Nackenhaut und schwubs war sie in der Box. Danach fing sie an die Tür zu attackieren, doch als wir im Auto saßen und ich die Box mit einer Decke zudeckte, sie die Wärme im Fahrzeug spürte, beruhigte sie sich.

Sie fauchte und grummelte, sobald ich sie ansah, aber ok, dachte ich, sie ist verletzt - ich konnte das Blut auf ihrem Fell sehen.

Die Leute, die das Posting geschrieben hatten, sagten mir noch, dass der Nachbarshund alle Katzen tötet, die durch das Grundstück durchlaufen und diese wohl Riesenglück hatte.

In der Klinik gestaltete sich die Untersuchung sehr schwierig, denn die Katze fauchte, versuchte zu beißen und überhaupt war es sehr schwierig. Wir konnten trotzdem irgendwie einen Test auf Infektionskrankheiten machen (negativ) und die Tierärztin stellte fest, dass da zwar Blut ist, aber erstmal sichtbare Verletzungen an der Katze. Sie hatte sich eingenässt und auch Kot war verschmiert auf ihrem langen Fell im Bereich vom Schwanz.

Ich gab ihr auf die Schnelle den Namen Draga (das heisst übersetzt die Gute, die Liebe) und ließ sie in der Klinik. 

Die Ultraschalluntersuchung zeigte Schwellungen im Bauchbereich und im Bereich der Hüfte, welche der Katze Schmerzen bereiteten und warum sie sich auch nicht ausführlich untersuchen ließ. Wir dachten, dass vielleicht der Hund sie nur auf die Erde gedrückt hatte oder was ähnliches passiert war... Leider stellten die Tierärzte in der Klinik fest, dass Draga eigentlich gar nicht Draga ist, denn sie griff jeden an, der an ihre Box in der Klinik vorbeilief.

Sie war sehr nervös und vor allem Männer schienen ihr Angst zu machen und sie verhielt sich sofort aggressiv.

So kam sie zu ihrem inoffiziellen zweiten Namen Tschuma, was übersetzt Pest heißt.

Am nächsten Tag schaltete ich selber ein Posting auf FB mit der Idee die Besitzer der Katze zu finden.

Einige Stunden später schrieb mir eine Frau, dass sie die Besitzerin kennt und ich sagen soll wo die Katze ist, in welcher Klinik.

Da ich solches erwartete, schrieb ich, die Besitzerin soll sich selber bei mir melden und mir auch Fotos schicken als Beweis, dass die Katze ihre ist (die Katze hatte natürlich keinerlei Kennzeichnung - Microchip etc.).

Am Abend schrieb mir die Besitzerin sehr schroff, erklärte mir, dass die Katze ihre ist, schickte mir Fotos und wollte wissen, in welcher Klinik die Katze ist. Ich wollte ihr auch bereits schreiben wo, da fragte ich, wie es denn dazu gekommen ist, dass die Katze draußen war und wo sie wohnen.

Daraufhin erfuhr ich, dass die Katze aggressiv reagiert hätte nicht zum ersten Mal und nachdem sie ihre Besitzerin und ihren 25-jährigen Sohn mehrere Stunden angegriffen hatte und "nicht aus dem Raum ließ", der Sohn das einzig richtige in dieser Situation getan hätte - er packte die Katze und brachte sie weg.

Ich war sprachlos... Nach einem langen Hin und Her, nachdem die Besitzerin meine Hilfe verweigerte, aber auch ihre Katze nicht aus der Klinik holen wollte, weil sie Angst vor ihr hatte, nachdem die Tierärzte mehrere Mal mit ihr sprachen und die Katze über 3 Wochen in der Klinik hockte, konnte ich die Besitzerin davon überzeugen, dass es für die Katze besser ist, wenn sie in ein neues Zuhause ziehen darf.

Die Besitzerin besuchte die Katze in der Klinik, nannte sie bei ihrem ursprünglichen Namen und die Katze rastete total aus.

Dabei hatte sie sich in den drei Wochen in der Klinik etwas beruhigt und reagiert zwar weiterhin nervös und aggressiv sobald sie dachte, dass man ihr was antun wird, aber dennoch gab es einen kleinen Schritt vorwärts.

Nach diesem Vorfall unterschrieb die Besitzerin ein Dokument, mit dem sie mir die Katze überschrieb und meldete sich nie wieder.

Draga wurde gechipt, kastriert und dabei wurde sie nochmal gründlichst untersucht. Die Schwellungen waren weg und nun wussten wir, dass diese nicht von einem Hund waren, sondern vom Sohn, der die Katze extrem heftig und brutal wohl gegen etwas gedrückt oder getreten hatte. 

Nachdem dieses Thema geklärt war, konnten wir uns darauf konzentrieren rauszufinden wieso sich Draga so benahm.

Breits in der Klinik wussten wir einiges durch die Beobachtung des Personals und zwar, dass ihr anfänglich unbekannte Männer mehr Angst machten, als Frauen. Sie mochte keine bedrohlichen Bewegungen und auch sehr laute Geräusche machten ihr Angst. Wenn man ihre Box in der Klinik sauber machen musste (täglich) griff sie anfänglich das Personal an.

Jedoch fanden sie heraus, dass es kein Problem ist ihr eine Transportbox anzubieten, wo sie allein reinging und danach ihre stationäre Box sauber zu machen. Sie ließ jeden Tag ein wenig mehr Nähe zu, ließ sich streicheln und zeigte auch, dass sie es genoss.

Nachdem ihre Kastrationswunde verheilt war und keinerlei gesundheitlichen Probleme vorlagen, durfte Draga in eine Pflegestelle umsiedeln. Und hier muss ich sagen, dass ich genau die richtigen Menschen für diesen Fall einer Pflegekatze kenne!

Meine Freunde Maria und Peter sind sehr oft Pflegestelle und bei ihnen konnte jede noch so schüchterne Katze aufblühen und sich in eine ruhige, gelassene und soziale Katze verwandeln.

 

Draga siedelte um und nun wissen wir weiteres über diese wunderschöne Katze, die allerdings nicht zu unterschätzen ist.

Draga hat keine Probleme mit Hunden und auch mit Katzen, wobei sie dem Hund ihrer Pflegestelle auch mal Küsschen gibt.

Kater Grafit, der auch dort in Pflegestelle ist, beachtet sie teilweise nicht, jedoch zeigt sie ihm manchmal genervt, dass nun sie Prinzessin in diesem Reich ist.

Mit den anderen Katzen von Maria und Peter haben wir noch Bedenken sie zusammenzuführen, denn das Rudel ist nicht ganz klein und wir können nicht einschätzen wie sehr sie das anspannen wird.

Wir können mittlerweile definitiv sagen, dass Draga Angst von Füssen in Hausschuhen hat- Hausschuhe an sich mag sie und liegt gern drauf, aber Füße in Hausschuhe, die ihr zu nahe treten, kann sie durchaus angreifen.

Draga liebt es zu schmusen, auf dem Schoss ihrer Pflegemama zu sitzen und Küsschen zu geben, sie möchte am liebsten Stundenlang gestreichelt werden und ist lediglich genervt, wenn man diese Schmuseeinheiten unterbricht.

Die wichtigste Erkenntnis von ihrer bisherigen Zeit in der Pflegestelle ist allerdings, dass Draga auf Schreie, laute Ton und Gebrüll, sofort aggressiv reagiert. Dies stellten die Pflegemama fest, als sie in der Küche ihrem Hund gegenüber etwas die Stimme hebt um ihn davon abzuhalten etwas zu fressen, was er nicht sollte.

Dabei war Draga nicht einmal in der Küche, also sie hätte es nicht als Angriff auf sich werten können... Jedoch stürmte Draga sofort in die Küche und rastete aus - sie fing an Maria anzugreifen, fauchte, spuckte, miaute bedrohend und versuchte in jeglicher Weise Maria zu zeigen, dass sie sie als Angreiferin nach dem Prinzip "Angriff ist die beste Verteidigung" "bekämpfen" will.

Auch Peter, der dazu kam, konnte Draga nicht beruhigen und sie zeigte einfach, dass sie beide aus die Küche haben will. Sie verließen die Küche und ließen Draga etwas zur Ruhe kommen, danach brachten sie die Transportbox rein und Draga übernachtete zur Sicherheit darin.

Am nächsten Tag war nichts mehr da vom aggressiven Verhalten der Katze, im Gegenteil, sie wollte nur noch mehr gestreichelt werden, wollte noch mehr Küsschen verteilen usw.

Unsere Rückschlüsse nach diesem Geschehen sind, dass wahrscheinlich im alten Zuhause von Draga viel geschrien wurde und vielleicht eskalierten die Situationen in weiteren Szenen, die Draga als bedrohlich bewertete.

Auf jeden Fall ist klar, dass Draga ein sehr ruhiges Zuhause sucht, wo es keinerlei Gebrüll gibt, aber auch keine lauten Feiern usw.

Zusammengefasst kann ich sagen - Draga ist zwar eine wunderschöne Katze, aber sie ist definitiv nicht für Jeden!

Man sollte ihre Reaktionen nicht unterschätzen, denn wir wissen von ihrer Ex-Besitzerin, dass diese auch mit der Zeit immer mehr eskaliert haben, weil dort offensichtlich etwas im Haushalt nicht gestimmt hat. 

Also sollte es wirklich passen, das neue Zuhause für die Prinzessin, denn sie braucht Ruhe und eine Umgebung und Menschen, die ihr Sicherheit geben.

Ein Haushalt mit Kindern ist definitiv nicht passend für Draga. Wenn andere Tiere vorhanden, dann muss man wirklich seinen Ton gegenüber diesen generell kontrollieren können. Freigang sollte Draga definitiv nicht haben, aber eine schöne Sonnenecke, wo sie sich sonnen kann, das würde ihr sehr gefallen. Draga macht im Moment einen Übergang zum BARF, denn in der Pflegestelle wird gebarft. Draga ist absoluter Fan und mag ihre neue Diät. Es wäre also super, wenn man dies auch in ihrem neuen Zuhause weiterhin fortsetzen würde.

Draga liebt Meditationsmusik, das hat ihre Pflegemama rausgefunden. Wenn man Meditationsmusik laufen lässt, legt sich Draga ganz in der Nähe hin und wenn man die Musikquelle in einen anderen Raum bringt, dann folgt Draga dieser.

 

Also im Grossen und Ganzen - die Katze hat zwei Gesichter - eines ist Draga, die Liebe und das andere ist Tschuma, die Pest. Das darf man nicht unterschätzen :)

 

Wer sich dieser Aufgabe gewappnet füllt, dem wird Draga sich sicherlich öffnen.

Wenn Sie Draga ein liebevolles Zuhause schenken möchten, bewerben Sie sich hier! Bei Fragen hier klicken!